Die Geschichte der Perücke
Perücken in der Epoche der Antike
Die Perücke, deren Bezeichnung aus dem Französischen stammt („perruque“), hat eine lange, aber etwas turbulente Geschichte.
Ihre Ursprünge liegen in der Antike: nur wenige Menschen wissen, dass die Perücken schon im alten Ägypten, Griechenland sowie im Römischen Reich getragen wurden. Die Ägypter benutzten sie häufig, um den Komfort im heißen Klima Ägyptens zu verbessern und sich effektiver vor Läusen und Insekten zu schützen. Die Perücken dienten auch als Zeichen für Frömmigkeit und als Statussymbol. Die reichen Griechen und Römer maskierten den Alterungsprozess, indem sie teure Perücken aus Menschenhaar trugen, während die ärmeren Schichten Mischungen mit Pflanzenfasern oder Schafwolle verwendeten. Die Ärmsten konnten sich nur die billigste, vollständig aus Pflanzenfasern geflochtene Version der Perücke oder nur Haarverlängerungen leisten.
Interessanterweise war die Perücke nur in unserer Zivilisation ein Haarschmuck und Gegenstand des täglichen Gebrauchs – im Fernen Osten war die Perücke wenig populär und wurde nur bei Theateraufführungen getragen.
Mittelalter, Renaissance und Barock
Mit dem Untergang des Römischen Reiches gerieten auch die Perücken – bis zur Renaissance – fast völlig in Vergessenheit. Im Mittelalter ist die Perücke definitiv aus der Mode gekommen: Gelegentlich von Männern getragen und von der Kirche stark verurteilt, musste sie ein wenig abwarten, bis sie wieder in Gnaden aufgenommen wurde.
Der Grund dafür, warum die Perücken im frühen Barock wieder in Mode kamen, war ... eine Krankheit. Die Syphilis, die zu dieser Zeit in Europa in einem enormen Ausmaß grassierte, verursachte dermatologische Veränderungen und Alopezie, und in Verbindung mit mangelnder Hygiene und der Verwendung von Kosmetika auf Bleibasis war der Haarausfall die Ursache dafür, dass die Menschen massenhaft zu künstlichen Frisuren zurückkehrten, um Scham zu vermeiden und unangenehme Symptome zu verdecken.
Zu Beginn der Renaissance wurde entdeckt, dass eine Perücke zur Kopfhygiene beiträgt – das Echthaar wurde in der Regel zum Lebensraum von Läusen, und das Rasieren vom Haar und das Ersetzen des eigenen Haars mit künstlicher Frisur lösten das Problem.
Zur Popularisierung des künstlichen Haares trugen jedoch wesentlich die Könige bei, die Perücken gerne verwendeten. Immer wenn einer der Könige anfing, regelmäßig eine Perücke zu tragen, wurde er schnell von Höflingen und Aristokraten imitiert, gefolgt von Stadtbewohnern und unteren Schichten.
Der eigentliche Perückenboom begann in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Die Friseure beherrschten schnell die Kunst, künstliche Frisuren zu kreieren, wobei sie Tierhaare und vor allem menschliches Haar (von verstorbenen oder armen Menschen – schon damals wurde slawisches Haar am meisten geschätzt) verwendeten, wobei als Unterlage zunächst dünnes Schaffell und dann elastische Leinwand dienten.
Als Perücke zu einem Symbol für Weltlichkeit, Ernsthaftigkeit und Macht wurde, wurden auch königliche private Perückenkabinetts gebaut und eine Zunft der Perückenmacher gegründet. Die erste größere Stübner- und Perückenfabrik wurde Ende 1637 in Paris gegründet, und in Polen wurde Gdańsk zur damaligen Hauptstadt der Perückenindustrie.
Perücken wurden an französischen und britischen Höfen immer beliebter – zu dieser Zeit gab es äußerst ausgeklügelte Konstruktionen, die Rücken und Schultern bedecken und auf die Brust fallen mussten. Sie wurden mit speziell zubereiteter Stärke gepudert: normalerweise weiß, aber auch gelb, schneeweiß, blau, rosa und violett, und mit Orangenblüten, Lavendel oder Moschus parfümiert. Als ein wesentliches Element der Gala-Kostüme wurden Puderperücken bis zum Ende des 18. Jahrhunderts verwendet.
Die moderne Popularität von Perücken
Heute wird die Perücke immer noch als Machtsymbol im Prinzip nur noch im Vereinigten Königreich und im Commonwealth of Nations verwendet, wo spezielle künstliche Frisuren von Richtern, Anwälten, Beamten und einigen Parlamentariern getragen werden.
Die Perücken werden heutzutage am häufigsten von Menschen getragen, die aus natürlichen oder medizinischen Gründen ihre Haare verloren haben, oder manchmal auch aus ästhetischen Gründen, zum Beispiel Prominente oder Transvestiten. Gelegentlich wird eine Perücke als Teil eines Kostüms für eine Party getragen (dann ist sie meist in einer auffälligen Farbe). Sie werden häufig von Theater- und Filmschauspielern verwendet.
Sicherlich haben die Perücken ihr letztes Wort noch nicht gesprochen – neue Produktionstechnologien, modische Schnitte und die Möglichkeit der individuellen Auswahl je nach Aussehen und Gesichtsform... Eine Perücke ist zum Accessoire und zum Schmuck geworden, mit dem Sie Ihr Aussehen im Handumdrehen verbessern oder verändern können!